Die deutsche Kolonisation und der Ursprung der deutschen Dialekte in Pommerellen

Vladislav Knoll, Karlsuniversität zu Prag

 

            Die Südufer der Ostsee ist seit dem frühen Mittelalter ein wichtiger Treffpunkt der germanischen und slawischen Welt. Die folgenden politischen und kulturellen Gegenüberstellungen führen zur langsamen Überwiegung des deutschen (westgermanischen) Elements, das sich in ganzem Gebiet bis 1945 entwickelt. Die Interpretationen der undeutlichen Geschichte der Gegende an der Grenze der beiden Völker sind sehr oft vom Standpunkt des Geschichtsforschers beeinflusst und es kann schwierig sein zu einem Ergebnis der Studien zu kommen, das für alle annehmbar ist.

            Die Aufgabe des vorgestellten Artikels ist eine kurze Beschreibung der Geschichte und des Charakters der westgermanischen Siedlungs Pommerellens mit dem Nachdruck auf die Herrstellung der deutschen Dialekte, die bis 1945 in Pommerellen benutzt wurden. Die Basis meiner Arbeit sind die Werke des deutschen Sprachwissenschaftlers Walther Mitzka (1888-1976, geboren in Posen), der sich in seinen wissenschaftlichen Studien vor allem mit den ostniederdeutschen und ostmitteldeutschen Dialektgebieten beschäftigte.

 

            Nach den ältesten Quellen wurde das Land westlich von Weichsel schon im 1. Jahrhundert nach Christus von ostgermanischen Gothen besiedlet. Außer den archäologischen Zeugnissen ist die frühe Anwesenheit der Germanen in diesen Gebieten von der ältesten lokalen Topographie bestätigt. Der Ursprung der Namen wie Elbing (Elbląg), Hela (Hel), Heisternest (Jastarnia), Oxthöft (Oksywie) und anderen wird also in diesen vorslawischen Zeiten gesucht.[1] Die Slawen kommen wahrscheinlich im 6. Jahrhundert und ihre Stämme geben diesem Land den Namen – Pommern.

Die größte Ausdehnung der slawischen Siedlung erreicht am Westen noch im frühen Mittelalter das östliche Holstein (Wagrien), die heutige Städte Hamburg und Magdeburg über Thüringer Wald am Norden und den Osten des Oberbayerns am Süden. Die ersten wichtigen Schritte der Westgermanen nach Osten stehen in Verbindung mit den Feldzügen des Karls des Großen und seinen Beziehungen mit den östlichen Nachbarn seines Reiches. Die Durchsetzung der deutschen Siedler in die östliche Richtung beginnt jedoch etwa ein Jahrhundert später am Süden. Die deutschen Siedlungströme in der Mitte und im Norden werden endgültig im 12. Jahrhundert gestartet. In Pommern und Pommerellen hat der Beginn der deutschen Anwesenheit mit der Missionärarbeit und der Steigerung des Einflusses der Kirche zu tun. Die erste bekannte Missionärreise in diese Gegende, die mit der ersten urkundlichen Erwähnung Danzigs verbunden ist, wurde jedoch von Adalbert von Prag untergenommen. Die Missionärreise Ottos von Bamberg (ab 1124) ist ein wichtiger Grenzstein in der Geschichte der  Christianisation Pommerns.

Die zweite Etape, die schon den unmittelbaren Anfang der deutschen Kolonisation Pommerellens bedeutet ist die Klostergründung. Diese Aktivität wird von den lokalen pommerellischen Fürsten unterstützt und ihre ursprüngliche Aufgabe ist die Einrichtung des Kirchwesens in dem pommerellischen Staat mit dem Zentrum in Danzig. Das erste mit kolonisatorischer Aufgabe betraute Kloster wurde Kolbatz (poln. Kołbacz, südöstlich von Stettin), dessen Zisterziensermönche in Oliva, in der Nahe von Danzig, im Jahre 1178 das wichtigste Zentrum des geistlichen Lebens in Pommerellen gegründet haben. In 1198 der Pommernherzog Grimislav von Schwetz (Świecie) beschenkt mit seinem Land den Johanniterorden, der seine Komturei in Stargard und Schöneck (Skarszewy) bildet. Die weiteren wichtigen geistlichen Gründungen dieser Zeit ist das Prämonstratenkloster Zuckau (Żukowo, westlich von Danzig) und das Zisterzienserkloster in Poguttken-Pelplin. Alle Mönche dieser Klöster waren Deutsche und konnten also auch sprachlich ihre Umgebung beeinflüssen. Im Jahre 1247 verleiht der Fürst Sambor I. den meisten Klöstern das Recht der deutschrechtlichen Dorfgründungen, was beschleunigt die Ansiedlung der niederdeutschsprachigen Bauern an Klostergründen.  

Schon in den Zeiten der pommerelischen Herrschaften kommt es zu den ersten deutschen Stadtgründungen. Im Falle Danzigs ist es ein Ergebnis wächsender Handelskontakte mit den deutschsprachigen Städten um die Ostsee, vor allem mit Lübeck. In 1224 erhält Danziger Marktsiedlung das deutsche Stadtrecht und in 1260 wurde das Lübische Recht der Stadt Dirschau (Tczew) verleiht. Mit diesen Ereignissen ist selbstverständlich ein starker Zustrom der deutschen Bürger verbunden. Die deutschen Kaufleute sind gehörig bei den pommerelischen Fürsten geschätzt. Für die Erweiterung der deutschen Sprache ist jedoch der wichtigste der einfache Bauer, gerufen von den Gutsbesitzern, der neue deutsche Dörfer gründet und mit seiner Sprache seine slawischen Nachbarn beeinflusst. Die Bürger, die Geistliche oder die ritterliche Vasallen der slawischen Fürste haben ziemlich begrenzte sprachliche Wirkung.[2] Der Siedlungsstrom hat in dieser Zeit vor allem die Richtung von Westen nach Osten. Die neuen Einwohner kommen aus Pommern, unter der Danziger Bürgerschaft überwiegen die Niedersachsen, die Siedlung bezeichnet sich vom westfalischen Einfluss, der ist besonders stark in Pommern. 

 

Deutscher Orden

In 1309 gelang Pomerellen in den Besitz des Deutschen Ordens und in 1329 kommt an den Orden auch das Land Bütow im Westen. Die Herrschaft des Ordens in diesem Gebiet zeichnet sich durch zwei geschichtlich wichtige Prozesse aus: die Binnensiedlung und die beschleunigte Stadtgründung. In dieser Zeit ändert sich nählich die Richtung des deutschen Siedlungsstromes. Das pommerellische Land begrüßt die deutschen Bauer und Bürger aus dem Osten, vor allem aus Elbinger Land. Diese Menschen holen eine niederdeutsche Mundart, die sich in Altpreußen formiert hat, bereicht mit einigen altpreußischen Wörtern. In Pommerellen entstanden neue Siedlungen in den Gegenden, die bis her wüste und waldreich waren. Neue Orte und Städte wurden auf deutschem Recht gegründet. So entstanden in den Jahren der Ordenherrschaft die deutschsprachige Insel um Konitz (Chojnice, angesiedlet 1323-1377, später genannte Koschneiderei), um Karthaus (Kartuzy/Kartuzë), wegen der Gründung eines Kartausenklosters (1381), die so genannte Hüttenpommersche Gegend südwestlich von Danzig, 13 deutsche Dörfer im Sabischen Gebiet (1359-1390) und die nordkaschubischen Dörfer Schönwald und Glashütte.[3]

Der Orden begründet auch viele Städte als Mittelpunkte bauerlicher Kolonisation. Das deutsche Recht wurde den Städten Lauenburg (1341), Bütow (1346), Putzig (1347), Leba (1357) und Hela (1378) verleiht. Die Bürgerschaft dieser Orte kriegt bis Mitte des 15. Jahrhunderts einen völlig deutschen Charakter. Die Stadt Stolp wird zu dieser Zeit ein vorgeschobener Marktplatz. Eine Tochtersiedlung ermöglicht eine weitere Verbreitung der deutschen Sprache in allen Richtungen, die Siedler füllen die Lücken aus, die slawischen Adligen werden deutschprachig und nehmen deutsche Hofbeamten an.

Diese Binnensiedlung, stralend vom Anfang aus Altpreußen hat am Westen, zwischen Stolp und Lauenburg ein dichtes Isoglossenbündel geschafft – die östliche Gebiete wurden nämlich vom Orden besiedlet, im Westen überwiegen die pommeresche Einflüsse, die sich jedoch später nach Osten bewegen. Ein wichtiges Ereignis sind die Hussitenanfälle, nach welchen die bewüstete Dörfer in Koschneiderei von Pommern besiedelt wurden. Es ist wichtig zu bemerken, dass trotzdem die Sprache der deutschen Bauern und Bürger die Niederdeutsche war, die Sprache der Ordensurkunden war Mitteldeutsch.      

 

Polnische Herrschaft

            Ein radikaler Wandel der sprachlichen Situation in Pommerellen eintritt nach der Niederlage des Deutschen Ordens und des Thorner Friedenschlusses (1466). Pommerellen kommt an den polnischen König, die Länder Bütow und Lauenburg werden als polnisches Lehen dem Herzog von Pommern übergeben. Die Wege und weitere sprachliche Entwicklung dieser Gebiete sich trennen. In Pommerellen wird Polnisch die Kirchen- und Amtssprache und seit dieser Zeit muss Deutsch mit der slawischen Sprache seriös um seine Geltung in der Region kämpfen.

            Die deutsche Sprache in Pommerellen und auch in Großpolen beginnt seine Positionen zu verlieren. Schon kurz nach der Wende verlassen die deutschen Mönche das Kloster von Oliva um nicht zur polnischen Ordensprovinz zu gehören, ebenso verschwindet die deutsche Sprache in anderen Klöstern. Die im Innern liegende deutsche Dörfer verlieren bis Ende des 16. Jahrhundert ihr Volkstum, Deutsch ist vor allen an den Rändern erhalten. Auch im Innern bleiben jedoch die deutschen Handwerker und Kaufleute, die vor allem in den Städten konzentriert sind. Die Sprache des slawischen Volkes ist überwiegend Kaschubisch, die Amtssprache ist Polnisch. In den lokalen Mundarten des Kaschubischen findet man bis heute einige Pünkte, die aus dem ursprünglich überwiegenden Deutschen entstehen konnten.[4]

Auch der Adel nimmt die polnische Sprache, wie die neuen Wappen an[5]. Eine stärkere Lage der deutschen Sprache beobachten wir während der polnischen Herrschaft in den Städten – die kleineren Städte am Süden werden zweisprachig, die Festung des Deutschtums bleibt natürlich die Hansestadt Danzig, die seine ökonomische Blühzeit erlebt.  In 1563 wird das erste Aktenstück am Landtag in Polnisch geschrieben, die polnische Reden im Landtag werden nicht mehr übersetzt. In 1569 verliert mit dem Lubliner Dekret Preußen seine Selbstständigheit und so wird polnisch auch in den Städten häufiger benutzt.

            Seit dem 16. Jahrhundert spielt in den sprachlichen Fragen auch die Religion eine wichtige Rolle. Zuerst tritt fast ganzes Poland zur protestantischen Glaube zu, im 17. Jahrhundert wird dies jedoch von einer Gegenreformation gefolgt. Die Deutschen bleiben protestantisch, der Katholizismus wird jedoch mit der polnischen Kultur verbunden. Es gab aber auch deutschsprachige katholische Gegende, wie z. B. die Koschneiderei, die sein Deutschtum durch die polnische Herrschaft bewahrt hat.

            Nach dem Entdeutschungsprozess folgt vom Anfang des 17. Jahrhunderts eine neue deutsche Siedlungswelle. Die Iniziative kommt von den Bürgermeistern der Städter, die noch ihre deutsche Sprache verteidigt haben (Putzig, Berent und Schöneck), und den Privatbesitzern. Von den Klöstern, nur Karthaus ist dem Deutschen treugeblieben. Alle diese Unternehmer rufen ins Land neue deutsche Siedler, hauptsächlich aus Pommern, um neue deutsche Dörfer zu gründen. Ein geschlossenes Gebiet der pommerschen Siedlung wird die Grenze der Kreise Karthaus und Berent. Putziger Kreis wurde jedoch neu von Holländern und Friesen besiedelt. Diese Ankömmlingen gründen schon in 1599 die Dörfer Karwenbruch (Karwińsczé Błoto), Kniewenbruch (Kniewò) und Moorboden. Die Gemeinde Krokow im Kreise Puztig wird ein deutsches Kirchspiel. Die wichtigste Gründung dieser Zeit ist zweifellos die Gründung von Neustadt (Wejherowo), die von Jakob Weiher untergenommen wurde. Die sprachliche Geschichte der westlichen Gebiete Pommerellens folgt eine ganz verschiedene Richtung – nach dem Aussterben der germanisierten fürstlichen Familie von Pommern[6] kommt das Land Bütow und Lauenburg an Brandenburg.

            Eine wichtige Welle der Siedler, die besonders ins Netzetal, die Weichselniederung und Danzig kommt, sind die Niederländer. Zuerst ist ihr Ziel die Kultivierung der wasserreichen Gebieten[7], einige Niederländer bleiben in Danzig wegen ständigen Handelskontakten. Unter den späteren niederländischen Ansiedlern sind die zahlreichsten die Mennoniten – Mitglieder einer reformierten Kirche der Täufer. Die Mennoniten besiedlen das Weichseldelta seit dem 16. Jahrhundert und bewahren ihre niederländische Sprache bis Ende des 18. Jahrhunderts. Seit 1762 wird in dieser Kirche auf Deutsch gepredigt und seit 1780 ein deutsches Liederbuch benutzt. Nach der Teilungen Polens sind viele Mennoniten aus Westpreußen nach Russland ausgewandert, wovon haben sie sich dann später fast in alle Kontinenten verbreitet. Es ist wert zu bemerken, dass ihre Umgangs- und Kultursprache blieb bis heute die Mundart der Danziger Nehrung (das sogenannte Plautdietsch). Als die Folge der niederländischen Siedlung um Danzig sind in hiesigen Mundarten viele niederländische Wörter bewahrt und fraglich sind weitere sprachliche Merkmale.

            Im 16. Jahrhundert kommt es in der deutschsprachigen Welt zu einer wichtigen Wende. Wegen der Bedeutung der lutherschen Sprache wird langsam auch in niederdeutschen Städten Hochdeutsch als die einzige Schriftsprache angenommen. Die Hansestadt Danzig schrieb bis 1563 die Korrespondenz mit Holland auf Niederdeutsch, danach wird nur Hochdeutsch benutzt. Noch in den Ordenszeiten führte Danzig die Korrespondenz mit den Hansestädten auf Niederdeutsch und mit den Ordensstädten auf Mitteldeutsch. In Hela wurde auch nebeneinander Hochdeutsch und Niederdeutsch benutzt, noch in 1583 wird die hiesige Willkür auf Niederdeutsch verfasst. Seit diesem Jahr wird jedoch nur Hochdeutsch geschrieben. In vielen kleineren Städten wird noch im 15. Jahrhundert mitteldeutsch (z. B. in Dirschau, Schöneck und Tuchel) geschrieben. Die Umgangssprache in allen diesen Orten ist natürlich die Niederdeutsche.

 

Die neueste Zeit

            Die sprachliche Situation hat sich stark nach der Teilung Polens geändert. Die polnische Sprache wurde um Deutsch gewechselt, die endgültig Amtssprache des ganzen Territoriums wurde. Für die Entwicklung der deutschen Sprache in Pommern sind zwei Ereignisse wichtig. Es ist die letzte Siedlungswelle und die Befestigung der Position des Hochdeutschen. Schon in 1776 wurden in Westpreußen die ersten schwabische Kolonien angelegt, eine von diesen befand sich im Süden von Danziger Höhe. Diese neuen Einwohner annahmen entweder das benachbahrte Niederdeutsch, oder direkt das Hochdeutsch.

            Die sprachliche Situation sieht also am Anfang des 20. Jahrhunderts folgend aus. Die Deutschen waren ungefähr 95% der Einwohner der Stadt Danzig mit Umgebung (1920-1939 die Freie Stadt Danzig), 34,6% des Kreises Putzig, 21,5 % des Kreises Karthaus, 39,4% des Kreises Berent und 40,4% des Kreises Konitz (1910). Bei Danzig trafen sich das niederdeutsche, kaschubische und polnische (kociewische) Sprachgebiete. Nach W. Mitzka wurde von den Kaschuben das Niederdeutsch als die zweite Sprache angenommen und in einigen Dörfern konnte auch das Kaschubische als eine Verkehrssprache zwischen Kaschuben und Deutsche benutzt werden und beide Sprachen sind auch beiderseits stark beeinflusst. Die Polen lernten jedoch nur das Hochdeutsch, die am Ende des 19. Jahrhunderts siegt in der Region als die Unterrichtssprache für alle Völker. Besonders in Danzig wird neben dem Niederdeutschen als Umgangssprache eine Mischung des Hochdeutschen und Niederdeutschen benutzt, die wie in Bremen und Hamburg Missingsch genannt wird. Das Hochdeutsch beeinflusst die Sprache der Leute besonders in der Zeit des Zweiten Reiches und der Erste Weltkrieg holt das Hochdeutsch direkt zu den Soldaten nach Hause.

            In 1920 wurde Danzig Freistaat und die Reste Pommerellens ein Teil Polens, außer dem Westen, der ein Teil des deutschsprachigen Pommerns bleibt. Das Ergebnis des Krieges bringt die erste dutsche Auswanderungswelle hervor und das Zahlverhältnis der deutschsprachigen Einwohner in den kaschubischen Kreisen mindert sich um ungefähr 20 %. Die deutsche Sprache wird wieder eine Minderheitssprache in Polen. Dies ändert sich wieder während des Zweiten Weltkrieges, als ins Land viele Deutschen vom Reich und Ausland angesiedlet wurden. Nach dem Krieg wurde die ganze deutsche Einwohnerschaft des Gebietes ausgesiedelt und ihre Plätze nahmen die Polen aus dem Osten über. Die lokalen deutschen Mundarten sind verschwunden, die Anzahl der Deutschen, die bleiben konnten, ist minimal.     

 

Wert zu erwähnen ist die Danziger Mundartdichtung, die in den Zeiten des Sieges des Hochdeutschen findet einen besonderen Platz in der regionalen Kultur. Als das erste wichtige Werk wurde das Poem Dat verlearne Paradies des holländischen Konsuls Cornelius von Almode (1813) erwähnt. Später finden wir einige Beispiele in der Presse (z.B. Neue Preußische Provinzialblätter, Danziger Neueste Nachrichten u.a.) und in der wissenschaftlichen Literatur (Winkler, Violét). Die meisten Werke dieser Mundartdichtung erscheinen jedoch zwischen 1900-1939 (dann in der Freien Stadt herausgegeben). Unter den Erzählern und Mundartdichtern nennen wir Ferdinand Herter (Allerhand ut plattem Land – 3 Bände, Wilhelmshaven, 1899-1900), Walter Domansky (Danz’ger Dittchen, 1903), Jenny Wüst (Dat grote Glück, 1910), Theodor Albert (Ut de Neddrung, 1918), Max Schemke (Wat Ohmke vertällt. Märkes und Powjooskes ut de Danzger Gegend, 1924), Herbert Seelke (Nohberschlied, 1924), Otto Müller (Von Labommels on andre spoßge Lied von junem olle Ohm Otto Müller, 1924) und Ernst Frieböse (Pust di man nich opp, 1939). Schemkes Buch Danziger Bloomegoarde (1922) ist eigentlich eine Anthologie der Danziger Mundartdichtung, seit den älteren niederdeutschen Briefen und Schreiben vom 15. und 16. Jahrhundert bis die obengenannte Generation der Schöpfer. Wir können auch nicht den bekannten Danziger Journalist Fritz Jänicke (genannt Poguttke) vergessen, der zahlreiche humoristische Dialoge und Gedichte im Danziger Missingsch geschrieben hat.

 

Dialekte

            Als eine Zusammenfassung können wir wiederholen, welche Mundartlandschaften sich bevor der Auswanderung der Deutschen in Pommerellen befanden. Das kaschubischsprachige Gebiet war eigentlich die Grenze zwischen zwei wichtiger ostniederdeutschen Dialekten – im Danziger Gebiet wurde das Westniederpreußische gesprochen, im Westen benutzte man die Hinterpommersche Dialekte, die einen größeren Eifluss des Westfälischen zeigen. Die Lauenburger Mundarte, die bis Leba-See gesprochen wurden, zeigen noch einige Niederpreußische Merkmale, weil die von der Ordensbesiedlung beeinflusst wurden. Im Süden grenzt die saborische Mundart des Kaschubischen und die Tuchola-Mundarten des polnischen mit der besonderen hinterpommerschen Mundart der Koschneiderei, die ziemlich nah zu dem sogenannten Hüttenpommerschen im Südosten von Danzig steht.

            Die wichtigsten Unterschiede finden wir vor allem im Vokalismus der Mundarte. Für das Hinterpommersche ist hauptsächlich die Diphtongisierung der niederdeutschen langen ê und ô typisch (laiw – npr. leew – hd. lieb, gaut – npr. good – hd. gut), wie wir es auch im Mecklenburgischen und manchen west- und ostfälischen Mundarten finden. Die niederpreußische Merkmale, die für niederfränkische gehaltet werden sind der Schwund des auslautendem –n (wete), die Erhaltung von n vor s (Gans) und hauptsählich die Entrundung der Umlaute ö/ü (scheen, seke -  hpm. saike – nns. söken – hd. suchen ). Den Wandel des g- zu j- (Morje, jistre) finden wir in mehreren deutschen Dialekten – auch im Hinterpommerschen. Diese letzten zwei Merkmale blieben auch in der hochdeutschen Umgangssprache des Gebietes. Unter den wichtigen Phänomenen, die für das Danzjer Platt typisch waren, war die öffene Aussprache des kurzen i als e (Merach, hd. Mittag, ek, hd. ich) und die Kürzung der langen i und u vor Gutturalen (rik, bruke). Die für das Plautdietsche (ab Weichseldeltamundart stammend) charakteristische Diphtongisierung des kurzen a in geschlossener Silbe trat in die andere Dialekte nicht. Die Mundarten der Koschneiderei (wie auch das Hüttenpommersch) wurden bekannt für ihre palatalisierte Aussprache der k und g, die mit den benachbahrten slawischen Dialekten verbunden war. In den deutschen Dialekten des Pommerellens befanden sich natürlich auch zahlreiche slawische Wörter.

 

Mitzka’s Bibliographie zum Thema

Mitzka, W., Grundzüge nordostdeutscher Sprachgeschichte, Marburg 1959, 147 S.

Mitzka, W., Die Ostbewegung der deutschen Sprache, in: Mitzka, W., Kleine Schriften zur Sprachgeschichte und Sprachgeographie, Berlin 1968, S. 127-179

Mitzka, W., Die deutsche Sprache in Westpreußen, in: Mitzka, W., Kleine Schriften zur Sprachgeschichte und Sprachgeographie, Berlin 1968, S. 180-190

Mitzka, W., Dialektgeographie der Danziger Nehrung, in: Mitzka, W., Kleine Schriften zur Sprachgeschichte und Sprachgeographie, Berlin 1968, S. 191-210

Mitzka, W., Sprachgeschichtliche Streifzüge auf der Danziger Nehrung, in: Mitzka, W., Kleine Schriften zur Sprachgeschichte und Sprachgeographie, Berlin 1968, S. 211-230

Mitzka, W.: Sprachausgleich in den deutschen Mundarten bei Danzig, in: Mitzka, W., Kleine Schriften zur Sprachgeschichte und Sprachgeographie, Berlin 1968, S. 245-305

 

Weitere benutzte Literatur

Schemke, M., Danziger Bloomegoarde, Kruut onn Onnkruut ut oller onn nieger Tied, Danzig 1922

Violet, A. F., Neringia oder Geschichte der Danziger Nehrung, Danzig 1864

Winkler, J., Algemeen Nederduitsch en Friesch Dialecticon I, ‘s Gravenhage 1874

Sowinski, B., Lexikon deutschsprachiger Mundartautoren. Olms 1997

Stritzel, H., Die Gliederung der Mundarten um Lauenburg in Pommern, Marburg 1937

Hinze, F., Wörterbuch und Lautlehre der deutschen Lehnwörter im Pomoranischen (Kaschubischen), Berlin 1965

Semrau, M., Die Mundart der Koschneiderei, in: Zeitschrift für deutsche Mundarte, Berlin 1915, S. 143-202, 237-265

 



[1] Mitzka 1959: 7

[2] Im Baltikum wurde die deutsche Sprache nur in den Städten benutzt und gewann nie das Land, weil es zur bauerlicher Siedlung nicht ankam (Mitzka 1968: 163-4).

[3] Mitzka 1959:13-14

[4] Als ein Beispiel nennt Mitzka die so genannten bylakischen Mundarten um Putzig, Öxhoft und Hela, die (Mitzka 1959:69 das Kaschubische in deutschem Munde) das kaschubische ł als einfaches l aussprechen.

[5] Die bekanntesten Namen waren Weiher am Norden und Kleist und Goltz am Süden

[6] In 1637 (Bogislaw XIV.)

[7] auf Polnisch: olendry